Standplatz in einer Mehrseillängentour
fixiertes Kräftedreieck

Standplatzbau, Reihenschaltung 

Seit dreizehn Jahren mach ich jetzt beim Stand ein Kräftedreieck. Das hat immer prima funktioniert, warum sollte ich das jetzt ändern? Solche Gedanken sind mir gekommen als mir zum ersten Mal zu Ohren gekommen ist, dass man jetzt die Reihenschaltung beim Standplatzbau empfiehlt. Als dann auch von der Industrie neue Bandschlingen mit abgenähtem Sicherungsauge auf den Markt kamen, habe ich mich mit diesem Thema etwas intensiver beschäftigt und bin auf erstaunliche Erkenntnisse gestoßen. Aufgrund einiger Vorfälle und jüngster Meßergebnisse der Sicherheitsforschung ist das Kräftefreieck  welches beim Standplatzbau viele Jahre das Maß aller der Dinge war, in Misskredit geraten.

 

 

Unfälle:
Als erstes brachten Anprallunfälle von Sichernden, die bei Vorstiegstürzen gegen den Fels geschleudert wurden und die Gefahr, dass Sie dabei das Bremsseil loslassen könnten, das Kräftedreieck in Diskussion. Daraufhin wurde von der Sicherheitsforschung  die Fixpunktsicherung mittels Reihenschaltung als neue Standartmethode, sofern man mindestens einen soliden Fixpunkt vorfindet, empfohlen. Bei fragwürdigen Fixpunkten, wie alten Rostgurken, wurde weiterhin das Kräftedreieck bevorzugt.

Reihenschaltung mit zwei Fixpunkten
Reihenschaltung mit drei Fixpunkten

Kraftspitzen und Kräfteverteilung

Das Kräftedreieck soll eine gleichmäßige Kraftverteilung auf die Fixpunkte bewirken. Dies ist aber vom Winkel, der sich aus der Position der Fixpunkte ergibt, abhängig. Je kleiner der Winkel desto besser die Kraftverteilung. Ab einem Winkel von über 60 Grad wird die Kraftverteilung zunehmend ungünstiger. Messungen der Sicherheitsforschung haben ergeben, dass die Kraftverteilung beim Kräftedreieck nicht so viel besser  ausfällt als man es früher angenommen hat.  Deshalb empfiehlt die Sicherheitsforschung bei fraglichen Fixpunkten am Standplatz je nach Anzahl und Anordnung der Fixpunkte das fixierte Kräftedreieck oder eine Reihenschaltung mit Kräfteverteilung. Die Fixpunkte könnten auch von stark unterschiedlicher Qualität sein oder weit auseinander liegen. Dann ist es ebenfalls besser, eine Reihenschaltung zu bauen. Hier wird der gesamte Fangstoß auf einen Fixpunkt geleitet. Weitere Fixpunkte dienen der Rücksicherung, falls der erste versagt. Außerdem wird dieses Prinzip genutzt, wenn man Topropes im Eis einrichtet. Da sich wegen der Druckschmelzung eine belastete Eisschraube mit der Zeit lockert, ist es gut, eine oder zwei unbelastete Schrauben als Rücksicherung zu haben. Würde man ein Kräftedreieck nehmen, so würden sich alle Schrauben gleichmäßig lockern. Ein großer Nachteil entsteht beim Versagen eines Fixpunktes wenn z.B. der Vorsteiger direkt in den Standplatz stürzt und ein Fixpunkt ausbricht, dadurch der zentrale Sicherungspunkt absackt und der Sichernde in seine Selbstsicherung stürzt. Beim Kräftedreieck wirkt eine um 40 Prozent höhere Kraftspitze auf den verbleibenden Fixpunkt als bei einer Reihenschaltung mit Kräfteverteilung.

Reihenschaltung mit Dummy Runner
Reihenschaltung ohne Dummy Runner

Vorsteiger sichern bei Mehrseillängentouren (Dummy Runner)

Die Sicherung des Nachsteigers ist einfach und sie erfolgt über den Zentralpunkt und in aller Regel mit einem alpinen Tuber (z.B. Five von Anlo Mountain, ATC Guide von Black Diamond oder  Reverso von Petzl). Interessant wird es bei der Sicherung des Vorsteigers. Bei fraglichen Fixpunkten wird von einer Körpersicherung mit Dummy Runner am Standplatz abgeraten. (Damit der Kletternde dem Sichernden nicht unmittelbar in den Klettergurt stürzt, wird unmittelbar am Standplatz die erste Zwischensicherung eingehängt). Dies ist eine beliebte Methode um den Vorsteiger über Körper zu sichern. Mit dem Vorteil, eine komfortable, gut zu handhabende und dynamische Sicherung zu haben. Der Nachteil ist das auf die Zwischensicherung im Sturzfall die 2,5-fache Kraft einwirkt. Somit wird ein Fixpunkt des Standes im Sturzfall extrem belastet, zumindest bis die zweite Sicherung eingehängt ist. Da wir aber davon ausgehen, zwei solide Fixpunkte (Bohr- bzw. Klebehaken) zu haben, stellt dies bei Bohrhakenstandplätzen normalerweise kein Problem dar. Die zweite Möglichkeit ist, über den Zentralpunkt zu sichern. Das ist aber weniger komfortabel, auch stellt sich die Frage des geeigneten Sicherungsgerätes mehr als bei der Körpersicherung, und bei einem Sturz wirkt die Fixpunktsicherung.
Vorteil ist, dass für den Sicherer die Gefahr, zur Wand gerissen zu werden, geringer ist.
Fazit: Die einzig richtige Methode beim Aufbau von Standplätzen gibt es nicht. Wichtig ist, dass man das System und die Problematik versteht und dann das nötige Wissen mitbringt und situativ auf die Problemstellung anwenden kann.

Festigkeit von Bandschlingen mit Knoten
Nach einigen unerklärlichen Rissen von Schlingen unternahm die Sicherheitsforschung 2008 eine Versuchsreihe zur dynamischen Knotenfestigkeit. Diese haben gezeigt, dass die dynamische Festigkeit von Bandschlingen wesentlich geringer ist, als bisher angenommen. Bei Stürzen, egal ob am Standplatz oder an Zwischensicherungen, treten immer dynamische Belastungen auf. Die Normfestigkeit bezieht sich jedoch auf die statische Festigkeit im Neuzustand und ohne Knoten. Jeder Knoten reduziert die Festigkeit von Bändern und Reepschnüren. Die Festigkeit des Mastwurfs im Einzelstrang war bei allen Flachbandmaterialien bei dynamischer Belastung deutlich geringer als bei statischer und erreichte teils kritische Werte.
Werte:
08 mm Dynemaband – 5,3 kN
12 mm Mischgewebeband – 6,5 kN
19 mm Polyamidband – 6,7 kN
                                                                           Bei einem Standplatzsturz können Belastungen über 6kN auf den Standplatz einwirken. Faktoren wie Nässe und Alterung sind hier noch nicht berücksichtigt. Der früher gezeigte Aufbau der Reihenschaltung mit Sackstich und Mastwurf im Einzelstrang kann deshalb nicht mehr empfohlen werden. Besser ist der Aufbau mit Doppeltem Bulinknoten und Mastwurf. Ein Vorteil beim doppeltem Bulin ist auch, dass das Schlingenauge, in dem die Kameradensicherung hängt, gedoppelt ist. Die Sicherheitsforschung empfiehlt vernähte Bandschlingen zu verwenden, da liegt die Idee nahe für den Standplatz Schlingen zu konstruieren, bei denen ein abgenähtes Sicherungsauge einen Knoten unnötig macht. Mittlerweile gibt es von Anlo Mountain, Mammut und Edelried vorgefertigte Reihenschaltungsschlingen mit denen der Aufbau und die Sicherung einfacher und sicherer wird. Alle erfüllen die Europäische Norm für Bergsteigerausrüstung EN 566 und haben eine minimale Bruchlast von 22kN.

 

 




Doppelter Bulinknoten
Standplatzschlinge mit Doppeltem Bulinknoten
Alpine Eye von Anlo Mountain
Belay Eight Sling von Mammut
Verstellbare Standplatzschlinge von Edelried

Einen Sackstich in eine vernähte Bandschlinge (120cm) knoten ,diesen jedoch nicht festzuziehen. Die Schlaufe des Sackstichs sollte etwa doppelt so groß sein, wie die gewünschte Schlaufe des fertigen Doppelten Bulinknotens.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun die Schlaufe des Sackstichs nach hinten über den Knoten stülpen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann aus dem Sackstich eine Schlaufe ziehen und zwar an dem Bandschlingenpunkt anziehen welches direkt von der Schlaufe her kommt. Sie bildet die Schlaufe bzw. Auge des Doppelten Bulinknotens.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann den Knoten nur noch festziehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am besten die Standplatzschlinge mit Doppeltem Bulinknoten schon zu Hause vorbereiten. In der Tour kann man die Schlinge dann Fix und Fertig verwenden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alpine Eye von Anlo Mountain: Hier bildet ein Metallring das Sicherungsauge. Die Konstruktion macht einen Soliden Eindruck. Außerdem sind kaum Fehlbedienungen möglich und sie hat ein sehr gutes Handling. Länge: 130cm Gewicht: 155g Preis: 19,95 €

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Belay Eight Sling von Mammut: Diese besteht aus zwei Schlingenstücken. Das Sicherungsauge ist gedoppelt. Dies ist eine leichte Lösung mit gutem Handling. Länge 120cm Gewicht: 120g Preis 19,95€

 

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Verstellbare Standplatzschlinge von Edelried: Hier kann man komplett auf Knoten verzichten. Mit der Schnalle wird die gewünschte Länge eingestellt. Sie lässt sich auch zur Selbstsicherung verwenden. Länge: 110cm Gewicht 155g Preis: 24,95€

 

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