Norwegen Flagge
Blick auf Gletscher in Jotunheimen
Fjellandschaft Norwegen
Russvatnet ein herlicher Campspot.
Endlich Sonne! Da geht der Aufstieg leichter.
Besseggengrat Norwegen
Eine wackelige, aber sichere Brücke in Norwegen
Wildes Lagerleben in Jotunheimen.
Schlagartig schlägt das Wetter um.
So sehen Sieger aus

Norwegen Trekking Jotunheimen

Zwei Dinge haben uns in Jotunheimen besonders in ihren Bann gezogen:
Der unheimliche Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit. Nicht auf Tag
und Nacht bezogen, sondern auf das fast unheimliche Gefühl, wenn die
kalten, feuchten Wolken über die Bergspitzen zu einem runterziehen und
man wie von Zauberhand sich plötzlich im vollkommenen düsteren Nichts
wiederfindet. Es ist dir kalt ums Herz und lebhafte Fantasien von Trollen
und Geistern manifestieren sich in deinem Kopf. Dann, von jetzt auf gleich,
reißt die Nebel-Wolkendecke auf, die Sonne strahlt in einem überirdischen
Licht im Himmel, so dass du denkst, du befindest dich im selbigen. Es tun
sich atemberaubende Panoramen auf und alles Düstere verfliegt.

Der Nationalpark in Norwegen, ist dieses Jahr im August das Ziel unserers Fernwehs.     Wir wollen uns mit Zelt, Verpflegung und Hund an der großen Jotunheimen- Rundtour versuchen. Wir, das ist mein Mann Kai, unser Hund Bruno, der sich als extrem kälteempfindlich erweist, und ich. Natürlich sind
wir bestens vorbereitet, haben von Mütze über Handschuhe, Trekkingjacke und Softshell alles dabei. Natürlich nur das Beste vom Besten, dank meines Mannes, der sich im Vorfeld solcher Touren immer wie ein Ausrüstungsjunkie aufführt.
Doch die Freude ist groß über den anstehenden Urlaub und die Erwartungen hoch. Immerhin muss sich Norwegen mit Kanada messen lassen, wo wir die letzten Jahre immer unsere Touren absolviert hatten.

Während mein Mann mit Hund Bruno über Schweden nach Norwegen mit unserem Bus einreist, fliege ich von München nach Oslo und werde dort von beiden schon sehnsüchtig erwartet. Viel Zeit lassen wir uns nicht, denn wir wollen raus in die Natur. Doch als wir uns nach einigen Stunden Fahrt auf dem Campingplatz gleich beim Gjendesheim – von wo unsere Tour morgen starten soll – einmieten, ist unsere Trekkinglaune im Keller. Es sind gefühlte minus zehn Grad und für die nächsten Tage ist Regen und Schnee angesagt. „Das
wird in den nächsten Tagen echt ungemütlich“, sticht uns der Platzwart das Messer noch ein bisschen tiefer in unsere Wunde. Nach einer eher kühlen Nacht und einem heißen Kaffee beschließen wir trotz tief hängender Wolken allen Unwegsamkeiten zum Trotz wie geplant aufzubrechen. Aufgrund des schlechten Wetters wollen wir die Tour rückwärts beginnen und uns die Hauptattraktion
des Nationalparks - den Besseggengrat – lieber zum Schluss aufheben, denn
schließlich kann das Wetter ja nur besser werden. Und so setzen wir uns am Morgen voll bepackt in Gjendesheim Richtung Glitterheim in Bewegung. Doch was soll ich sagen: “Wenn Engel reisen!” Bereits nach gut einer Stunde reißen die Wolken plötzlich auf und unsere ehemals trübe Stimmung ist schlagartig mit den Wolken verflogen. Zum ersten Mal sehen wir auch etwas von der atemberaubenden Landschaft, die uns in unzähligen Bildern aus Trekking-Führern vor Augen ist. Vor uns erhebt sich eine phantastische Aussicht
hinunter ins Tal und wir wissen wieder, warum wir hierher gekommen sind. Hier
oben scheint es nur Frühling und Winter zu geben und so wandern wir über ein Meer von zarten Blumen, Moos und Flechten, immer unterbrochen von Wasser in all seinen Formen und natürlich dieser grandiose Blick auf die uns umgebenden Berge. Wir wandern über kleine Bäche, große Flüsse, Moore und zahlreiche feuchte Wiesen. Die Natur verzaubert uns und als wir nach einigen Stunden an den atemberaubenden See Russvatnet kommen, beschließen wir gleich hier unser erstes Lager aufzuschlagen, denn am Ufer des Sees haben
wir einen wunderschönen Lagerplatz gefunden. Den Rest des Tages verbringen wir mit Faulenzen und seltsamen Beobachtungen von zwei Franzosen, die auf der anderen Seeseite einen Zwischenstopp einlegen. Nur so viel: “Es war kein schöner Anblick!” Am nächsten Tag sind wir froh, dass wir den Spätnachmittag und Abend so genossen haben, denn es erwartet uns die nächsten zwei Tage Nieselregen und bei Glitterheim sogar Schnee. Wir machen zwei Mörderetappen hoch nach Glitterheim und wieder hinunter. Nicht ohne Grund, denn bei längeren Pausen ist die Vereisungsgefahr zu groß. Der Höhepunkt
dieser zwei Tage ist eine Rentierherde, auf die wir durch ein einzelnes Tier aufaufmerksam werden, das nur wenige Meter vor uns unseren Weg kreuzt,
um dann schnell wieder zu seiner Herde zurückzukehren, die etwa 100
Meter über uns weidet. Ein wirklich toller Anblick und eine schöne Belohnung
für den strapaziösen Anstieg nach Glitterheim, dem höchsten
Punkt unserer Tour auf rund 2200 Metern. Eigentlich hätten wir von dort oben einen gigantischen Ausblick auf die Gletscher Jotunheimens haben sollen, doch durch das schlechte Wetter befinden wir uns nur in einer Art dicken Nebelsuppe. Auch die Besteigung des Glittertind, Norwegens zweithöchstem Berg auf 2464 Meter, lassen wir ausfallen und machen uns direkt wieder an den Abstieg zum
Ende des Russvanet Sees, der sich auf rund 20 Kilometer Länge erstreckt
und uns das Gefühl gibt, überhaupt nicht vom Fleck zu kommen. Wir
laufen bis ans Ende des Sees, wo wir unser nächstes Nachtlager aufschlagen.
Alles ist feucht, es schwirren Millionen von Mücken um uns herum und so finden wir uns relativ schnell in warmen Schlafsäcken und in unserem mückenfreien Zelt wieder. Der nächste Morgen ist unerwartet überwältigend schön. Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel, doch wir befinden uns noch im
Schatten des Berges gegenüber. Daher brechen wir früh auf und ziehen
in einer wunderschönen Berglandschaft von gigantischen Ausmaßen der
Sonne entgegen. Inmitten des Tals zwischen zwei Bergmassiven kommen
wir uns darin fast wie Zwerge vor. Voll Elan und jetzt in der Sonne geht
es weiter zum berühmten Bessenegrad. Besser hätten wir uns das Wetter
nicht wünschen können und als wir über der nächsten Bergkuppe den
Gjendesee erreichen, bietet sich uns eine überwältigende Aussicht auf
das Dach Norwegens und seinen schönsten See. Wir treffen das erste Mal
seit Beginn der Tour unmittelbar auf eine nicht unerhebliche Anzahl von
Wanderern. Mit leichtem Gepäck absolvieren sie im Rahmen einer Tagestour
die Strecke zum Bessenegrad und zurück. Uns stört das nicht wirklich und auch unser Hund Bruno hat wieder die Aufmerksamkeit, die er gewohnt ist. Zahlreiche Streicheleinheiten und nette Worte stärken sein Ego, das etwas geknickt ist, nachdem er von einer Bergziege erst verfolgt und dann auch noch mit den Hörnern leicht am Hintern erwischt worden ist. Gut gelaunt kommen wir also bei bestem Wetter am Besseggengrat an. Hier treffen sich an einer
Stelle zwei Seen nur durch ein schmales Felsband getrennt, oben der nachtblaue Bessvanet und 700 Meter weiter unten der türkisfarbene Gjendesee. Nach dem Felsband geht es einen schmalen Grat 300
Höhenmeter nach oben. Völlig ohne Sicherungen müssen wir klettern, springen und immer wieder aufpassen, dass uns die schweren Rucksäcke nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Kaum zu glauben, dass bei der Menge Tagestouristen - eine Frau geht sogar mit Absatzschuhen - nie etwas passiert ist. Nur vor rund 100 Jahren kam einmal ein Mensch zu Tode, aber daran wollen wir gar nicht denken, als wir uns den Grat hinaufschieben, allen voran unser Hund Bruno, der wie eine Gämse von Stein zu Stein springt. Oben angekommen haben wir einen
herrlichen Blick über den Besseggengrat und ein Gefühl absoluter Zufriedenheit
überkommt uns. Genau hier wollten wir stehen, davon haben wir geträumt und
nun in diesem Augenblick ist es Wirklichkeit geworden. Wir schlagen unser
Zelt auf, um den Sonnenuntergang hier oben allein zu genießen und damit wirerst Morgen früh Abschied nehmen müssen von diesem unvergleichlichen Ort.