Der höchste Punkt vom Kilimanjaro
Der Kilimanjaro in seiner ganzen Schönheit
Anstrengender Weg mit Blick auf Breach Wall
Abendstimmung im Shira Camp (Kilimanjaro)

Kilimanjaro

wo Afrika den Himmel berührt

Keuchend versuche ich die letzten Meter noch einmal so richtig Gas zu geben und vor Enrico, unserem Guide, am Gipfel zu sein. Völlig außer Puste muss ich
allerdings stehenbleiben und den wenigen so kostbaren Sauerstoff in meine Lungenflügel pumpen. Mein Puls dröhnt in den Ohren, mein Herz rast. Im
Schneckentempo geht es also die letzten Meter bis zum Gipfelkreuz. Fast hätte ich vergessen, ich befinde mich ja immerhin auf fast 6000 Meter Höhe. Nun aber haben wir es geschafft – wir stehen auf dem Gipfel des Kilimanjaro.
In den letzten Tagen hatte ich von tropisch bis arktisch die kompletteBandbreite der auf der Erde existierenden Klimate erlebt. Die Mystik des Kilimanjaro mit seinen einzigartig schönen Gletschern - besonders eindrucksvoll mit Neuschnee - genoss ich in diesem Moment in vollen Zügen. Als wir vor sechs Tagen in Moshi aufbrachen, war es heiß. Tropisch heiß! Wir, das sind Veit, vier lustige Schweizer und ich. Unser Guide ist Enrico aus Leipzig. Schön zusammengeschweißt hatte uns schon die Fahrt im  Minibus von Mombasa nach Moshi, am Fuße des “Kilis”. Einem Höllenritt gleich, ging die Fahrt durch roten Wüstensand und wir bekamen schon mal einen ersten Eindruck vom wahren Afrika. Schließlich wurde die Vegetation immer üppiger: links und rechts der Straße sahen wir Bananenplantagen, Mangos und Papayas, dazwischen Kaffeesträucher und weitere tropische Pflanzen. Am nächsten Morgen verließen wir Moshi und fuhren in das 1800 Meter hoch gelegene Dorf Machame. Unterwegs wurde noch der letzte Proviant besorgt. Die Aufstiegsroute verläuft via Shira Hut und Lava Tower über die Western Breach. Das besondere Highlight ist eine Nacht im Krater unterhalb des Gipfels auf 5750 Meter Höhe. Am Gate herrschte geschäftiges Treiben. Jeder Bergführer hat bei seinen Touren ein festes Team von Koch und Trägern, welches je nach Bedarf um zusätzliche Träger ergänzt wird. Tag für Tag warten nicht selten Hunderte von Männern (vereinzelt aber auch Frauen) vom Stamm der Chagga aus den umliegenden Dörfern und Städten an den Eingängen zum Nationalpark, um einen der begehrten Jobs als Träger zu bekommen. So haben wir (sieben Personen) insgesamt 17 Träger (inkl. drei von der Küchenmannschaft).

Unser Gepäck, Zelte, Verpflegung, Kochtöpfe und sogar Klapphocker werden auf die Träger verteilt. Jeder der Träger erhält 15 Kilogramm, wir tragen nur unseren Tagesrucksack. Der Weg ist so breit wie eine Fahrstraße und führt durch dichten tropischen Bergregenwald.
Moose und Flechten hängen von den Bäumen. Fasziniert von der Leichtigkeit, mit der die Träger nur so von Stein zu Stein springen und dabei noch fröhlich ein Liedchen trällern, durchsteigen wir in den ersten zwei Tagen vorrangig tropische Vegetationszonen. Wir haben Zeit, die Blümchen am Wegesrand zu fotografieren und die Landschaft zu genießen. Die Lagerplätze erreichen wir meist schon am frühen Nachmittag und können so zur Akklimatisation
immer noch ein paar Höhenmeter weiter hinaufwandern. So viel frische Luft macht natürlich hungrig. Ich bin immer noch begeistert, wie unser Koch aus all den mühsam mitgeschleppten Sachen (selbst Eier werden möglichst sorgfältig bis in 4000 Meter Höhe hinauftransportiert!) jeden Tag einen wirklich leckeren Eintopf zaubern kann.

Lagerleben im Krater des Kilimanjaro auf 5750m
Jennys Zelt am Kilimanjaro
Geschaft! Der Höchste Punkt Afrikas der Kilimanjaro

Eines Abends, die Sonne hat sich verzogen, es ist extrem windig und winzige
Sandpartikel wehen mir in die Augen. Die Nacht kommt schnell hier mitten in Afrika und so liege ich dick eingemummelt in meinem Daunenschlafsack und lausche dem regen Treiben der auch nachts noch gut gelaunten Mannschaft. Irgendwann zwinge ich mich aus dem mollig warmen Nachtlager hinaus in die Kälte. Völlig überwältigt von dieser sternenklaren Nacht muss ich innehalten. Direkt vor mir liegt in all seiner Mächtigkeit der Kilimanjaro. Die Schneemassen werden vom Mond in ein diffuses Licht getaucht. “Ich bin glücklich, hier zu sein!”
Dem Pfad folgend und immer “Pole, Pole” (langsam, langsam) kommen wir dem Kili jeden Tag ein Stückchen näher. Nun in den Höhen um 4000 Meter wachsen nur noch Moose und niedrige Pflanzen. Die Landschaft wird karger und die Luft dünner. Es ist stets sehr stürmisch. Das Zeltaufbauen wird nun zu „der“ Herausforderung des Tages. Tückische Windrosen zerstören binnen Sekunden unsere mühevoll aufgebauten Zelte. Ein wildes Durcheinander.
Unser Gipfeltag beginnt für uns viel zu früh. Vor uns sehen wir die Lampen
der Gruppen, wie an einer Perlenschnur aufgefädelt. Nach rund zwei Stunden Aufstieg wärmen uns dann endlich die ersten Sonnenstrahlen und wir genießen nun einen gigantischem Ausblick in Richtung Mt.Meru.

Der Weg ist steil. Wir klettern über Geröll und riesige Schutthaufen. Sehrlangsam kommen wir voran, denn erste Höhenprobleme machen unseremÄltesten (Rudi ist 72 Jahre alt) zu schaffen. Unterwegs treffen wir aufein paar ausgeflippte Träger einer anderen Gruppe, denen die Höheanscheinend überhaupt nichts ausmacht und die auf einem Vorsprung sichtlich ausgelassen das Frühstück für ihre Gruppe herrichten. Kurze Zeit später erreichen wir nacheinander den Kraterrand. Voller Erwartung und sichtlich erschöpft geht es zunächst zu unserem Schlafplatz, der sich direkt unter dem Gipfelhang befindet. Nach einer kleinen Verschnaufpause und einem kleinen Energienachschub wandern wir zum Rand des Reuschkraters, wo die schwefeligen Dämpfe uns daran erinnern, dass der Kilimanjaro noch immer ein aktiver Vulkan ist. In der Sonne glitzern die bizarren Formen des Gletschers. Vor uns liegen nun noch die letzten Meter, ein schottiger und staubiger Weg windet sich in mehreren Kehren immer weiter nach oben. Nach schier unzählig erscheinenden Schritten stehe ich nun hier vor dem Schild, das besagt, dass ich am Ziel bin. Es offenbart sich mir ein imposanter Ausblick auf die riesigen Gletscher des rund vier Kilometer breiten Kibokraters und die unter uns liegende Savanne - kurz gesagt: “Afrika liegt uns zu Füßen!”

Von Jenny Perlich

 

 

Auf das Dach Afrikas - Der Kilimanjaro

 

Charakteristik:

Der höchste Gipfel des Massivs und damit höchster Punkt Afrikas ist mit 5895 Metern der Kibo (Uhuru Peak) und zugleich höchster freistehender Berg der Welt, typischer Vulkanberg

Lage:

Ostafrika, Tanzania, an der Grenze zu Kenia. 

Schwierigkeit:

technisch leicht, jedoch aufgrund seiner Höhe nicht zu unterschätzen

Reisezeit:

ganzjährig, außer in der Regenzeit von Mitte März bis Anfang Juni.

Klima:

Unterscheidung von insges. sechs ökolog.-klimatischen Höhenzonen
mit einer durchschnittlichen Höhe von 1000m

Routen:

vom Norden (Rongai), vom Westen (Shira) oder vom Süden (Machame, Umbwe, Marangu); die Mweka Route ist nur eine Abstiegsroute; die “Marangu-Route” ist die einzige Route, dieÜbernachtungsmöglichkeiten in festen Unterkünften, in der Regel Vier Bett-Hütten, bietet.

Hinweis:

nur mit einheimischen, zugelassenem Bergführer zu besteigen,
zudem unvermeidbar sind Koch- und Trägermannschaft