 - Galapagos Eidechse
Ecuador Reisebericht
Ecuador hat viele Gesichter
Am 25. Dezember machen wir, meine Freundin Barbara und ich, uns voll bepackt über die verschneite Autobahn auf Richtung Flughafen München, wo wir um 8.15 Uhr nach Ecuador starten wollen. Da unser Flugzeug kaputt ist, werden wir auf eine andere Maschine umgebucht. Immerhin dürfen wir Business Class fliegen, ein Genuss. Als wir einen Tag später in Quito landen, regnet es. Wir nehmen uns in der Pension „Parque Italie“ ein Zimmer. Am nächsten Morgen regnet es immer noch. Wir machen uns auf, Quito zu erkunden. Der Kontrast ist enorm. Zwischen wunderschönen Altstadtbauten und Kirchen treffen wir auch auf die allgegenwärtige Armut. Kinder liegen in Hauseingängen und schlafen, nur bedeckt von einem Pappkarton. In einem Internet-Café erkunden wir dieWetterlage. Da es die nächsten Tage schlecht bleibt, fahren wir in dasReisebüro „Salsa Reisen“ unseres Reiseführerautors Volker Feser. Dortbuchen wir spontan acht Tage Galapagoskreuzfahrt und lernen unsere künftigen Reisegefährten Hans und Theres aus Österreich kennen.
 - Riesenschildkröte Galapagos
 - Galapagos Rieseneidechse
Galapagos Inseln
Am nächsten Tag stehen wir wieder mit unseren schweren Rucksäcken am Flughafen Quito. Wir landen mittags auf der Insel Baltra. Zusammen mit Hans, Resi und acht weiteren Passagieren gehen wir an Bord der „Daphne“, einer wunderhübschen kleinen Jacht, die aus einheimischen Hölzern gezimmert ist. Auf unseren Landgängen auf die Insel Genovesa beeindruckt uns vor allem die große Vogelpopulation. Wir haben fast jeden Tag einige Stunden Zeit an einem einsamen Strand, den wir uns häufig nur mit einer Seelöwenkolonie, einigen Vögeln und oft auch hunderten von riesigen Leguanen teilen müssen. Insbesondere die Zutraulichkeit der Tiere ist überwältigend. Da sie den Mensch als Feind oder Eingreifer nicht kennen, kommen sie ohne Scheu auf uns zugerobbt oder gekrochen. Die Tage sind meist geteilt, vormittags Landgang auf einer Insel, nachmittags Schnorcheln. Im Meer treffen wir auf riesige Meeresschildkröten, die gleichsam durchs Wasser zu fliegen scheinen. Jede Menge bunte Meeresfische wechseln sich vor unseren Taucherbrillen ab mit Riffhaien, Rochen und Seelöwen, die übermütig um uns herum schwimmen. Im Verlauf unserer Reise machen wir auch der Insel Santa Cruz halt. Die erste bewohnte Insel, seit wir von Baltra aufgebrochen sind. Wir besichtigen vormittags das Darwin Center, in dem Schildkröten und Landleguane aufgezogen und danach ausgewildert werden. Nachmittags fahren wir mit dem Bus ins Inselinnere, wo wir wild lebende Landschildkröten beim gemächlichen Grasen beobachten. Die meisten sind zwischen 100 und 150 Jahre alt. Wie im Fluge vergehen die acht Tage, dann geht es auch schon nach Quito zurück, denn wir wollen schließlich bergsteigen.
 - Markt von Machachi Ecuador
 - Gegrillte Schweineköpfe sind sehr beliebt
Akklimatisation:
Corazon (4720 Meter) &
Iliniza Norte (5126 Meter)
Von Quito führt uns der Weg zunächst mit dem Bus die Pan Amerikana Sur hinunter zur kleinen Stadt Machachi. Wir nehmen in der Hospederia Refugio Chiguac ein Zimmer und am Nachmittag machen wir uns auf zum Straßenmarkt und kosten uns durch die vielen verschiedenen, uns unbekannten Früchte, Speisen und sonstigen Köstlichkeiten, die uns bekömmlich erscheinen. In den kommenden Tagen stehen Akklimatisationstage auf dem Programm. Geeignet scheint uns dafür der Corazon mit 4720 Metern Höhe. Und so brechen wir früh morgens auf, schwingen uns auf einen Camioneza, einen Jeep mit offener Ladefläche, der uns zum Ausgangspunkt bringt. Schon beim Aufstieg zieht das Wetter zu, doch wir steigen weiter gen Gipfel. Doch dann beim Abstieg verlaufen wir uns. Durch die talwärts führenden tiefen Lava-Abflussrinnen, die den Weg versperren, können wir den Hang nicht queren, somit müssen wir uns in einem schwierigen Gelände herunterkämpfen. Auf einem abgelegenen Bauernhof, ewig weit entfernt von unserem Ausgangspunkt, können wir einen Bauern mit bescheidenem Spanisch und ausgefeilter Zeichensprache überreden, uns für zehn US-Dollar auf seinem Schweinefuttertransporter nach „Machachi“ zu fahren. Völlig verdreckt, stinkend und kaputt kommen wir am späten Abend dort an. Am nächsten Tag versuchen wir den Iliniza Norte (5126 Meter). Um 10.30 Uhr laufen wir los Richtung Hütte, auf der wir dann um 15 Uhr auf 4703 Meter Höhe ankommen. Auf der Hütte geht es mir sehr schlecht, mein Gehirn spielt nicht mit, ich kann mich nicht konzentrieren, selbst das Schreiben ist nur mit einem enormen Konzentrationsaufwand möglich. Keine Frage: Ich bin höhenkrank und leide unter Kopfdruck und Schwindel, die Lippen sind blau und Hunger habe ich auch keinen. Der Hüttenwirt bringt Coca-Tee, welcher die Symtome etwas lindert. Am nächsten Morgen machen wir uns nach einer durchwachten Nacht um 6.30 Uhr völlig gerädert auf Richtung Gipfel. Die Luftwird immer dünner. Auf 5000 Meter, rund 100 Meter unterm Ziel, drehen wir jedoch um, da der Gipfel aufgrund des ungewöhnlich schlechten Wettersverschneit und überfroren ist. Zurück in Machachi gehen wir auf den Sonntagsmarktund kaufen Lebensmittel.  - Auf dem Weg zum Cotopaxi
Der Aufstieg auf den Cotopaxi (5898 Meter)
Einen Tag später brechen wir auf zum Cotopaxi (5898 Meter). Zur Hütte auf 4800 Meter sind es noch 300 Meter zu Fuß, wir fühlen uns gut und fit. Am nächsten Tag schnallen wir uns die Steigeisen an und erkunden den Weg für die kommende Nacht und hoffen auf besseres Wetter, denn es schneit und graupelt. Gegen Abend reißt der Himmel auf und der Mond kommt durch. Um 23 Uhr laufen wir los und rund 13 Stunden später sind wir zurück auf der Hütte.
 - Aufstieg zum Cotopaxi
 - Abstieg vom Cotopaxi
 - Der Chimborazo in seiner ganzen Schönheit
Der Aufstieg auf den Chimborazo (6310 Meter)
Zurück in Machachi bereiten wir uns auf den Höhepunkt unserer Tour vor, die Besteigung des Chimborazo. Mit seinen 6310 Metern ist er der höchste Berg des Landes. Der Chimborazo galt vor der Vermessung des Himalaya als der höchste Berg der Erde überhaupt. Die Messungen George Everests im Jahr 1856 zeigten jedoch, dass viele Himalaya-Gipfel, insbesondere der Mount Everest, deutlich höher liegen als der Chimborazo. Chimborazo heißt im Übrigen übersetzt: „Frau aus Eis“, „Kalter Göttersitz“ oder „Heiliger Wind des Mondes“. Die Erstbesteigung gelang am 4. Januar 1880 Edward Whymper und den Bergführern Jean-Antoine und Louis Carrel. Also brechen wir mit dem Bus auf nach Saquisili. Hans und ich wollen den Chimborazo besteigen, während unsereFrauen, Resi und Barbara, nach Banos fahren. Um aber auf den Gipfel zu gelangen, muss alles passen: Wetter, Akklimatisation, Gesundheit undAusrüstung. Die beste Zeit für eine Besteigung sind die klaren, jedoch windstarken Monate von Mitte Juni bis Ende August beziehunsgweise Anfang Dezember bis Anfang Februar. Als Normalroute wird die Whymper Route gegangen. Sie ist eine anspruchsvolle Eistour im steilen Gletschergelände. Zurzeitwird aber die Westvariante als Normalroute empfohlen, die auch wir ins Auge gefasst haben, da die objektiven Gefahren wie Stein- und Eisschlag sowie Lawinen und Gletscherspalten am geringsten sind. Hans und ich organisieren uns also in Riobamba, dem Ausgangspunkt unseres Abenteuers, ein Hotel für die Nacht und eine Fahrgelegenheit für den nächsten Tag. AmAbendsprechenwir nochmals unsere Vorgehensweise durch und prüfen unsereAusrüstung. Gegen Mittag werden wir mit einem Geländewagen zum „Refugio Hermanos Carrel“ auf 4800 Meter Höhe gebracht, welches wir nach zwei Stunden abenteuerlichster Wegstrecke erreichen. In der dortigen Hütte werden wir voneinemFernsehteamgefilmt, wir erfahren, dass zwei Deutsche seit drei Wochenvermisst werden und nun mit der Suche nach ihnen begonnen wird. Von den vermissten Deutschen keine Spur Danach kundschaften wir den ersten Teil des Weges aus, kochen und versuchen noch ein wenig zu schlafen. Um 22 Uhr stehen wir auf und marschieren wenig später im Schein unserer Stirnlampen los. Der Himmel ist sternenklar und hell, was die Wegfindung erleichtert. Wir rechnen mit einer Aufstiegszeit von acht bis zwölf Stunden. Trotz angelegter Steinmännchen ist der Weg schwer zu finden. Am Thielmann Geltscherausläufer wird angeseilt. Nun geht es im 35 bis 40 Grad steilen Eis bis auf rund 5200 Meter. Dort müssen wir den Felsabbruch „El Castillo“ (das Schloss) queren. Es handelt sich dabei um ein sehr instabiles Gelände (Erdreich, Steine, Eis und alles fast senkrecht und sehr locker), welches unsere ganze Konzentration erfordert und zudem sehr gefährlich ist. Als wir diese Schlüsselstelle gemeistert haben, geht es im 45 Grad steilen Firn und Eis weiter. Wir schauen in jede Gletscherspalte und nach Stellen, wo Lawinen abgegangen sein könnten, in der Hoffnung, die vermissten deutschen Bergkameraden zu entdecken - doch leider vergeblich. Ab 5500 Meter macht sich die Höhe bei uns langsam bemerkbarmeine Waden brennen und durch die klare Nacht ist es sehr kalt. Langsam wird die Tour richtig anstrengend. Auf 5800 Metern habe ich ein Tief, zum ersten Mal bin ich mir nicht mehr sicher, ob wir den Gipfel erreichen. Doch mein Wille ist groß: „Ich will da unbedingt rauf!“  - Chimborazo Gipfelbild
Ich nehme eine Aspirin, trinkeein Gel und esse einen Energieriegel. Diese Kombination gibt mir Kraft und wir stapfen Schritt für Schritt weiter dem ersehnten Ziel entgegen. Es kann nicht mehr weit sein, wir sind beide am Ende, nur der Wille und unser gegenseitiges Mutzusprechen lässt uns weitergehen. Die Höhe zwingt uns inzwischen dazu, alle drei Schritte eine Pause zum Durchschnaufen einzulegen. Das Atmen fällt jedoch schwer, die Lungen wollen sich einfach nicht mit Luft füllen. Dann endlich, wir kommen über den letzten Dom und der Anblick des Gipfels beflügelt unsere Schritte. Wir sind auf dem Gipfel, fallen uns in die Arme und sind überglücklich, es ist 6 Uhr morgens und die Sonne geht gerade auf, perfektes Timing. Lange können wir nicht verweilen, da sich der Berg um spätestens 10 Uhr in Wolken hüllen wird. Wir steigen zügig ab, vor dem Schloss gehen wir die Rinne Richtung “Refugio Edward Whymper” ab, da wir die Schlüsselstelle aufgrund unseres Zustandes jetzt scheuen. Lieber nehmen wir den Steinschlag in Kauf, der auch nicht lange auf sich warten lässt. Um 12 Uhr kommen wirglücklich, aber völlig ausgepumpt auf der Hütte an. Wir packen, fahren zurück nach Riobamba und von dort nach Banos, wo wir auf unsere Mädels treffen, die uns wieder überglücklich in die Arme schließen. Wir erleben noch einige schöne Tage der Entspannung, bevor uns das Flugzeug am 19. Januar wieder zurücknach Deutschland bringt. Bericht: Josef Weber Charakter: ECUADOR
Buntes und abenteuerliches Land. Gut zum Bereisen und zum Bergsteigen. Trekking ist auf Grund der Kriminalität und der mangelnden Literatur nur in größeren Gruppen ratsam.
Reiseführer: | “Ecuador” von Volker Feser | Bergsteigerführer: | “Ecuador” von Peter Rotter | Beste Zeit: | Mitte Juni bis Ende August bzw. Anfang Dezember bis Anfang Februar | Anreise: | Per Flugzeug nach Quito | Übernachtung: | In Hotels und Refugios | Essen: | Es ist ratsam, in besseren Restaurants oder Hotels zu speisen. Zwar ist uns das Marktessen an den Ständen gut bekommen, dennoch sollte man sehr vorsichtig sein. Bei den Hütten handelt es sich meist um Selbstversorgerunterkünfte mit Kochgelegenheit. |
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