Zwei Nachsteiger in einer Dreierseilschaft

Dreierseilschaft

Wer kennt dies nicht, man ruft einen Kumpel an, ob er Lust hat, eineMehrseillängentour zu klettern. Dieser ist sich nicht sicher und daher ruft man den nächsten an, der sofort zusagt. Kurz darauf meldet sich Kumpane eins und will nun auch mit.

 

 

Für diesen Fall gibt es eine sehr gut funktionierende Lösung, nämlich die Dreierseilschaft mit zwei Halbseilen. Die Nachsteiger können gleichzeitig mit individuellem Tempo nachkommen, der Vorsteiger ist mit Doppelseil gesichert. Für einen Rückzug oder den Abstieg mittels Abseilen steht die ganze Seillänge zu Verfügung. Bei Quergängen ist diese Methode nur bedingt geeignet, da Halbseile für die dabei möglichen Sturzbelastungen eigentlich nicht ausgelegt sind.

 

Bei einer Dreierseilschaft mit zwei Halbseilen (Keine Zwillingsseile!) bindet sich der Vorsteiger ganz normal in die Halbseile ein und steigt vor, wie er es auch in einer Zweierseilschaft macht. Die beiden Nachsteiger binden sich einzeln in jeweils ein Ende eines Halbseils ein. Dadurch hat jeder Nachsteiger einen einzelnen Seilstrang und kann sein eigenes Tempo klettern. Zum Nachsichern müssen allerdings beide Seilstränge getrennt laufen. Sie dürfen  nicht gemeinsam in einen einzelnen HMS-Karabiner gelegt werden. Die beiden Nachsteiger sollten zeitversetzt nachsteigen, somit wird ein Abstand gewahrt, damit der erste dem zweiten Nachsteiger nicht auf den Kopf fällt. Wichtig: Der erste Nachsteiger muss strategisch wichtige Zwischensicherungen, zB. in Quergängen, für den Zweiten erhalten.

 

Dreierseilschaft über dem Meer

Der Führungswechsel ist aufwändig: In der Regel steigt eine Person die gesamte Route vor oder es wird zwischendurch nur einmal auf der Hälfte gewechselt. Ein überschlagenes Klettern, wie es bei der Zweierseilschaft üblich ist, ist hier nicht anzuraten, da zu aufwändig. Um das Seilchaos zu verringern, ist es (neben einer guten und vorausschauenden Organisation des Standplatzes) günstig, das Seil nach jeder Seillänge umzuschichten. Da der Vorsteiger ja immer als erster am Stand ist, liegt sein Seilende zuunterst. Zieht man nun das Seil von unten aus dem Haufen heraus, so kommt es leicht zu Verknotungen. Einmal das Ganze umschichten, beginnend bei den beiden Nachsteigern, löst dieses Problem.

 

Eine Dreierseilschaft ist auch mit einem Einfachseil möglich, jedoch nur im leichteren Gelände. Am häufigsten wird diese Methode auf Hochtouren eingesetzt, da hier das Handling mit zwei Halbseilen oft unpraktisch ist. Ein Nachsteiger bindet sich in das Seilende (Einfachseil! Kein Halb- oder gar Zwillingsseil) ein. Für den zweiten Nachsteiger wird ca. drei Meter vor dem Seilende mit einem Sackstich eine etwa armlange Schlaufe geknotet. In diese klinkt sich der Zweite mit einem Safebiner ein oder man schlüpft durch einen Ankerstich (kompliziert). Der Seilerste steigt nun wie gewohnt mit Einfachseil vor und sichert beide Nachsteiger mit HMS oder Plate nach. Ein großer Nachteil ist, dass die beiden Nachsteiger das selbe Tempo gehen müssen. Eine gute Lösung ist, den „Mittelmann“ mittels eines Ropemans und einer Bandschlinge einzubinden, somit ist dieser Nachsteiger flexibel.

HMS Karabiner

 

Nachsichern mit HMS

 

Hier werden die Nachsteiger an separaten höhenversetzten HMS-Karabinern nachgesichert, dies verbessert die Bedienbarkeit und verhindert eingegenseitiges Abklemmen der Seile.

 

+ Ein Vorteil der HMS Methode ist, dass man die Karabiner normalerweise zur Verfügung hat und diese universell einsetzbar sind. Ein Ablassen des Nachsteigers ist mit der HMS- Methode auch möglich.

 

- Die Nachteile sind, daß die Sicherungen gemeinsam bedient werden müssen. Da der HMS nicht selbstblockierend ist, muss der Sichernde immer beide Bremsseile in der Hand behalten. Diese Art der Sicherung verlangt große Übung, außerdem krangelt das Seil gerne. Wir raten von dieser Methode ab, da diese gefährlich und nicht mehr zeitgemäß ist.

Magic Platte

Nachsichern mit Magic Platte


+ Diese Methode ist vor allem sehr kompakt, übersichtlich und die Sicherungselbstblockierend, das heißt, der Sichernde muss nicht die ganze Zeit beide Bremsseile halten. Dies macht die Bedienung wesentlich einfacher und das Seil krangelt kaum.


- Ein Ablassen des Nachsteigers ist äußerst problematisch und evtl. gefährlich. Außerdem besteht die Gefahr des Nichtblockierens bei einem Quergang kurz vor dem Stand.

ATC Guide Black Diamond

 

Nachsichern mit Tube


Mit den alpinen Tubes kann man alles machen, Sichern im Vor- und Nachstieg sowie Abseilen.


+ Mann muss also nur ein Gerät mitschleppen, die Klemmwirkung und das Handling sind sehr gut, das Seil krangelt kaum. Mit dem ATC Guide von Black Diamond oder dem neuen Reverso von Petzl funktioniert das Nachlassen sehr gut.


- Beim Seileinlegen muss man sehr aufpassen da man dies eventuell falsch machen kann.

Tucan von Simon

 

Nachsichern mit dem Toucan von Simon:


+ Stürzt ein Nachsteiger und blockiert den Strang , lässt sich der andere weitersichern. Sind beide Stränge blockiert, kann die Blockade durch Zug an der großen Aluöse jederzeit wieder gelöst werden.


- Leider ist das Gerät etwas sperrig und es besteht die Gefahr, dass man das Seil oder die große Aluöse falsch einhängt. Nachlassen ist sehr gut möglich.

Obwohl dieser Bericht mit äußerster Sorgfalt erstellt wurde, wird für die Anwendung keine Haftung übernommen.