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Escalada Lleida
Klettern in Spanien (Climbing Spain)
Die Region Lleida in Katalonien beherbergt eine Vielzahl an Topkletterfelsen: Camarasa, St. Llorenc de Balaquer, La Pauta, Santa Ana, Os de Balaquer, Tartareu, Santa Linya, Ager, Terradets, Vilanova de Meiá, Abella de la Conca, Collegats, Oliana, Coll de Nargó, Perles, Tres Ponts, Cavallers, La Cova de Juncosa, El Cogul Kletterurlaub bei Freunden!
Dort stellen unser Zelt auf, Gepäck rein, Kletterklamotten an und fahren zurück nach Camarasa ins angrenzende Klettergebiet. Der Fels ist senkrecht bis leicht überhängend, technisch und sehr kleingriffig. Für mein Empfinden eher hart bewertet aber absolut sehenswert. Abends gehen wir in Camarasa in die einzige Wirtschaft dort. Das Essen ist gut, die Stimmung auch. Im Fernsehen läuft das Spiel Barca / Madrid. Wie man uns erklärt ist das nicht nur einfach Fußball sondern Politik. Nachdem die Region Katalonien nach wie vor gerne von Spanien unabhängig wäre, kochen bei diesen Spielen die Gemüter. Zum Glück gewinnt Barca und so erleben wir gleich am ersten Abend, als wir um Mitternacht in unser Zelt kriechen, wie ausdauernd die Katalanen beim Feiern sind. Bis in die frühen Morgenstunden wird der Sieg betrunken und begrillt. Villanova de Meia
Leider ziehe ich nach 2 Tagen klettern dort erst mal gar nichts mehr. Ich spüre das ich mich langsam dem „platt sein“ nähere. Deswegen beschließen wir an dem Tag zu ruhen. Aber was heißt schon ruhen… Josi packt mich ins Auto und wir fahren nach Villanova de Meia um uns für den nächsten Tag einen schon aus der Ferne sichtbaren, eindrucksvoll rot leuchtenden Felsriesen auszuchecken an dem es jede Menge Mehrseillängenrouten gibt. Der Zustieg erweist sich als anstrengender Kampf bergauf durchs Gestrüpp, immer am Wandfuß entlang. Allerdings auch nur wenn man, so wie wir, den falschen Ziegenpfad beschreitet. Beim Abstieg später werden wir feststellen dass es auch einfacher geht. Bei halbwegs zügigem Schritt auf dem richtigen Pfad ist man nach einer halben Stunde am Einstieg der von uns gewählten Route. La Musical Express, 6b+, 225 m. Die Route ist von der Schwierigkeit her eigentlich im warm up Bereich, aber nachdem ich meine Zeit hauptsächlich dem Sportklettern widme, bevorzuge ich bei dieser Unternehmung Genuss vor Anstrengung. Am nächsten Tag kommen wir sehr zeitig am Morgen zurück zur Wand. Wir wollen frühzeitig einsteigen um a) der Sonne davon zu klettern und b) keine Seilschaften vor uns zu haben. Die Eile hätten wir uns aber auch sparen können. Die Sonne hält sich bedeckt und es weht bei 11°C ein rauer Wind. Zum Glück haben wir uns am Auto entschlossen in unseren Fleecepullis zu klettern. Eine absolut richtige Entscheidung wie sich in der Wand herausstellen wird. Die erste Seillänge ist leicht und schön zu klettern. Die Absicherung ist gut, für jemanden der den Grad sicher beherrscht besteht keine Notwendigkeit zusätzliches Sicherungsmaterial zu legen. Die zweite Länge ist bereits die Schlüssellänge die über ein kleines Dach geht an guten Griffen, jedoch weiten Zügen. Die darauffolgenden Seillängen klettern wir zügig da uns mittlerweile doch ziemlich kalt ist. Vor allem mir… Als ich aus dem Stand klettere schlottere ich bereits vor Kälte. Insgesamt sind alle Seillängen absolut wert geklettert zu werden. Trotz des nicht hohen Schwierigkeitsgrades hält die Route jede Menge schöner Bewegungen in tollem, festem Fels bereit. Der Ausstieg geht nach rechts über ein kleines Band, danach steigt man einen steilen Hang ab. Für den Hang brauchen wir 45 Minuten, auch hier haben wir, wie wir später von Lucky erfahren, den falschen Ziegenpfad erwischt. Erwischt man den richtigen, schafft man den Abstieg in 20 Minuten wenn man zügig geht. Fazit zur Tour und zum Felsen: hierher kommen wir auf jeden Fall spätestens im nächsten Urlaub zurück um etwas Schweres zu klettern. St. Llorenc de Montgai Sector Displia Am Nachmittag schauen wir noch zum Sportklettern in die rechte der beiden hoch über S. Llorenc stehenden Grotten. Die Kletterei ist gut, aber schon ziemlich abgespeckt. Sicherlich nicht unbedingt der Top-Spot im Gebiet Lleida, aber für einen schnellen Abstecher nicht schlecht! Vermutlich ist dies ein beliebter Trainingsfels von Chris Sharma der mit seinder Freundin in St. Llorenc de Montga wohnt. Terraradets Paret de les Bruixes Am Mittwochfrüh weckt uns das Läuten meines Handys. Es ist Lucky der heute frei hat und sich spontan zum Klettern mit uns verabredet. Wir machen aus uns um 11 Uhr in Terradets zu treffen um zum Sektor Les Bruixes zu gehen. Tipp: Am Hauptparkplatz von Terradets gibt es eine Trinkwasserquelle an der auch viele Einheimische Trinkwasser abfüllen. Sollte jemand mit dem Van dorthin fahren eignet sich die Stelle gut um aufzufüllen. Der Parkplatz für Les Bruixes liegt ca. 1 km weiter hinten im Tal. Les Bruixes ist einer der Wintertrainingsfelsen der einheimischen Kletterszene. Abgesehen von 2 bis 3 warm up’s gibt es hier nur schwere Ausdauerrouten. Der Fels hängt ca. 10m über, die Routen haben alle zwischen 30 und 40m Länge. Plant man einen kompletten Tag hier ein sollte man sich im 7. Franzosengrad ab 7b aufwärts einigermaßen wohlfühlen, sonst hat man in dem extrem steilen Ausdauerriegel ganz einfach nichts zum klettern. Wir klettern an diesem Tag nicht sonderlich viel, dafür aber schwer. Besonders gut gefallen hat uns Occident, 7c. An diesem Abend kippen wir mit außerordentlich müden Oberarmen in unsere Schlafsäcke. Tags darauf habe ich erst mal das Gefühl gar nichts klettern zu können. Der Vortag steckt mir im Oberkörper und ich würde gerne ruhen. Schlussendlich einigen wir uns darauf, heute nach Santa Linya zu fahren. Allerdings nicht in die Grotte in der jede Menge Testpieces von Chris Sharma auf den ambitionierten Schwerstkletterer warten, sondern zum Sektor Futbolin. Wir wärmen uns in einer guten 6b+ und einer 6c auf. Der Fels ist leicht überhängend, die Bewegungen und Struktur mit vielen Leisten und einigen Löchern genau unser Ding. Danach gehen wir weiter zur 7c mit dem klingenden Namen „Opium“, die Josi im 4. Versuch abknipsen kann. Mir gelingt der Durchstieg leider nicht, aber nichtsdestotrotz habe ich die Route genossen. Da die Kletterei heute eine komplett andere ist als gestern, klappt es mit dem Klettern heute sogar unerwartet gut. Am Abend muss ich leider feststellen das ich mir, beim klettern unbemerkt, den Finger verletzt habe. An der Kapsel meines Ringfingers hat sich eine schmerzhafte Beule gebildet… Generell muss man zwischenrein anmerken dass die Kletterei im Gebiet Lleida sehr abwechslungsreich ist. Sowohl was den Fels angeht als auch die Struktur. Stark überhängende Ausdauerriegel wechseln mit kleingriffiger Wandkletterei. Die Strukturen wechseln zwischen Loch-, Leisten- oder auch Sinterkletterei. Für Kletterer die sich im 6. Franzosengrad zuhause fühlen gibt es genauso viele gute Routen wie auch für Kletterer die im 7. und 8. Franzosengrad klettern. Margalef und Siurana Leider ist uns der Wettergott nicht hold. Unseren Ruhetag verbringen wir spazierend im Regen… Am Karsamstag treffen wir uns mit Lucky und Montse und überlegen wohin wir fahren sollen. Es ist für ganz Nordspanien schlechtes Wetter gemeldet. Wir überreden die beiden mit uns Richtung Süden zu fahren nach Margalef. Das Wetter hält an dem Tag einigermaßen, die Kletterei in dem Sektor der etwas abseits ist vom Hauptgebiet sieht gut aus und besteht ausschließlich aus scharfkantigen Löchern. Ich ruhe an diesem Tag noch aufgrund meines Fingers und verbringe den Tag mit Montse auf der Hochebene während Josi mit Lucky klettert. Am Abend stellen wir auf der Hochebene unser Zelt auf und sitzen danach Wein trinkend und Burger aus Pferdefleisch essend, im Van. Wenn man Lucky glauben darf, ist Pferdefleisch „natural doping“ und außerdem eine Spezialität der Region. Für unsereins ein seltsames Gefühl ein „Hoppereiter“ in sich rein zu schaufeln, aber ich besänftige mein Gemüt damit, dass es ja eigentlich egal ist ob Pferd oder Rind. Wo ist schon der Unterschied. Und zugegebenermaßen, es hat wirklich gut geschmeckt. Tags darauf sieht das Wetter nach wie vor bescheiden aus, es regnet nämlich wie aus Eimern. Nach einer kurzen „Sightseeing Tour“ (Lucky fährt mit uns die andren Sektoren noch ab damit wir sie zumindest mal gesehen haben) fahren wir weiter nach Siurana, das ca. 1 Stunde von Margalef entfernt ist. Auch hier: Nieselregen. Dennoch machen wir uns nach einem Abstecher in die Bar auf zum Felsen. Und endlich hat auch der Regen eine Pause gemacht. Ich steige gerade in meine erste Tour, eine schön aussehende 6b+, ein als es auch schon wieder anfängt zu regnen. Wir packen zusammen und lassen es ziemlich gefrustet gut sein. Wir beratschlagen kurz wie weiter und machen uns auf den Rückweg nach Sort, dem Heimatort von Lucky und Montse. Die beiden haben uns das großzügige Angebot gemacht, in der Wohnung von Luckys Eltern, die nur am Wochenende in Sort sind, bleiben zu können. Des nassen Zeltes überdrüssig, nehmen wir das Angebot nur zu gerne an. Nachdem wir uns, endlich wieder in einem richtigen Bett, ausgeschlafen haben, treffen wir uns um am Sektor La Costoia im Gebiet Collegats. Tom, ein guter Freund der beiden kommt zusammen mit einer Urlaubsbekanntschaft aus Israel zum gleichen Fels. Der Tag hält tolle Ausdauerkletterei an leicht überhängendem Fels an kleinen Leisten für uns bereit. Besonders die Routen im 7. Franzosengrad sind absolut empfehlenswert. Außerdem ist die Landschaft um Sort herum, aufgrund der Nähe zu den Pyrenäen, wieder komplett anders als um Camarasa herum. Viel Grün, ein wunderschöner Fluss. Adler und riesige Geier kreisen majestätisch am Himmel. Am nächsten Tag fahren wir zurück nach Santa Linya. Heute sind wir schon auf eine Gruppe von 7 Leuten angewachsen. Mit von der Partie ist unter anderem Edu, der eine Rafting/Canyoning Agentur in Sort hat. Solltet ihr einmal im Gebiet Lleida Urlaub machen und es ist sonniges Wetter, kann man eine Tour mit Edu auf dem Fluss oder in den Canyons nur empfehlen Andorra Unser Ruhetag führt uns nach Andorra. Die Fahrt dorthin führt uns durch kleine Orte und über die Berge was uns gut gefällt da man auch einen Eindruck der Umgebung bekommt. Die Stadt selbst ist schön, aber sehr geschäftig. Wir bummeln uns durch die Vielzahl der Läden und kehren in einigen Kaffees ein. Mit einigen Tüten bewaffnet treten wir den Rückweg nach Sort an. Collegats Sector La Pedrera Der nächste Tag erwartet uns mit schlechtem Wetter. Montse und Lucky fahren mit uns zum Kletterfelsen La Pedrera. Mit einer Seilrolle muss man an einem Stahlseil über einen Fluss sausen der in einer Schlucht unter einem durch braust. Montse und ich tun das beim ersten Mal mit gemischten Gefühlen, es stellt sich aber als einfaches und nettes Abenteuer raus. Der Felsriegel ist gigantisch, leider überrascht uns nach den ersten beiden Routen ein Mega-Gewitter. Wir kauern zusammen mit einigen anderen Kletterern unter einem Überhang, einzig Josi steigt in eine steile 7c ein. Zum Glück kann er sie im 2. Versuch punkten, was bedeutet, dass nach Gewitterende unserem Rückzug nichts im Wege steht. Josi und ich werden am nächsten Tag, unserem letzten in Lleida, noch einmal hierher zurück kommen. Der Wettergott ist uns für den letzten Klettertag zum Glück gut gesonnen und so haben wir nach anfänglicher Bewölkung nun doch noch Sonnenschein bekommen. Wir klettern wieder am Sektor La Pedrera, besonders empfehlen möchte ich die Routen SarMágic 7b+, Eterna 7a+, Amalada 7b, Rambutan und Tita Bullida 7c. Und davon abgesehen, den Sektor im Allgemeinen. Uns hat er von allem was wir in diesem Urlaub gesehen haben, mit am besten gefallen. Die Kletterei ist leicht bis mittelstark überhängend, die Routen, die wir gemacht haben, waren alle von bester Qualität. Lange, ausdauernde Kletterei mit tollen Bewegungen. Montserrat und Barcelona Nachdem wir uns von Lucky und Montse verabschiedet haben fahren wir an unserem letzten Urlaubstag nach Barcelona wo wir uns noch eine Nacht im Hotel gönnen um die Stadt noch anschauen zu können. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher nach Montserrat um das Kloster und die berühmte schwarze Madonna zu besichtigen. In Barcelona angekommen beziehen wir unser Zimmer und machen uns danach per Bus auf den Weg zur Sagrada Familia. Leider besichtigen wir sie nur von außen da die Besucherschlange auf ca. 2 Stunden Wartezeit schließen lässt und uns das zu lange ist. Die Sagrada Familia wurde von Gaudi geplant und begonnen. Die Inspiration dafür hat er sich an der La Argenteria geholt, einer irren Felsformation in der Nähe von Sort. Die Ähnlichkeit ist verblüffend. Von La Argenteria waren wir mehr als nur beeindruckt. So etwas hatten wir vorher noch nie gesehen. Danach machen wir noch die La Rambla unsicher und gehen Paella essen. Insgesamt war der Tag in Barcelona ziemlich anstrengend. Beim nächsten Mal würde ich das entweder am Anfang des Urlaubs machen, 2 Tage dafür einplanen oder, wenn es nach Josi geht, einfach noch einen Tag länger klettern. Am 01. Mai nun geht es wieder nach Hause. Um 8:20 heben wir in Barcelona ab und fliegen, nach einer super Zeit in Katalonien, wieder zurück nach Deutschland. Einer unserer nächsten Urlaube wird uns ganz sicher wieder in die Region Lleida führen. Hasta pronto!!
Info: Klettern Lleida
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